Carel Kraayenhof - "Tango Heroes"
Am 02.02.2002 veränderte sich das Leben des damals 43-jährigen Carel Kraayenhof für immer – ebenso wie der Stellenwert seiner Musik, des Tango, in seinem Heimatland Holland.
Am 02.02.2002 veränderte sich das Leben des damals 43-jährigen Carel Kraayenhof für immer – ebenso wie der Stellenwert seiner Musik, des Tango, in seinem Heimatland Holland. Weltweit wurden an diesem Tag etwa 550 Millionen Fersehzuschauer Zeuge, wie Kraayenhof bei der Hochzeit des Holländischen Thronfolgers und seiner aus Argentinien stammenden Braut Prinzessin Máxima, mit seinem Bandonéon den Tango Adiós Nonino von Astor Piazolla anstimmte. Seitdem ist Carel Kraayenhof in Holland eine nationale Ikone, dessen CDs sich regelmäßig zu Zehntausenden verkaufen, und wird auf der ganzen Welt als einer der führenden Botschafter des Tango wahrgenommen.
Im Alter von acht Jahren hat Carel begonnen, Klavier zu spielen. Sein früh erwachender Enthusiasmus für Musik überzeugte seine Eltern bald, ein preiswertes altes Klavier anzuschaffen. Durch die ersten Lehrbücher arbeitete sich der Junge noch selbst, bald darauf bekam er professionellen Unterricht. Von Anfang an war für ihn der Weg als Musiker vorgezeichnet.
Mitte der Siebziger Jahre entdeckte der junge Musiker unter dem Einfluss seines Bruders Jaap für sich die englische, irische und schottische Volksmusik. Er erlernte das Akkordeon und die englische Concertina, das typische Instrument eines Clowns, und begann, gemeinsam mit seinem Bruder diese Musik auf Parties, Festivals und auf der Straße zu spielen.
1983 kam er zum ersten Mal mit dem Bandonéon, einer Weiterentwicklung der Concertina, in Berührung, als er eine LP mit Soloarrangements für dieses Instrument hörte. Sofort verliebte er sich in die, gegenüber dem Akkordeon, viel größere Spanne an Klangfärbungen, die damit erzeugt werden kann und begann wie im Rausch, das Instrument zu erlernen. Tausende Stunden lang hörte er Tango, schrieb die Noten nieder und übte sich in der mit dem Bandonéon symbiotisch verbundenen argentinische Nationalmusik.
Vier Jahre später hatte sich Kraayenhof zu einem Meister entwickelt, dessen Name in der internationalen Tangoszene immer bekannter wurde. Sein großes Vorbild Astor Piazolla, der „Gottvater“ des Tango, lud ihn persönlich für drei Monate nach New York ein, um mit ihm am Broadway sein Tangomusical Tango Apasionado aufzuführen. Im Jahr darauf gründete Kraayenhof das „Sexteto Canyengue“, die Band mit der er heute noch musiziert. „Canyengue“ ist für ihn ein Synonym für den starken, pulsierenden Rhythmus des Tango und von gleich hoher Bedeutung wie „Swing“ im Jazz. In Folge des Ritterschlags durch Piazolla ergaben sich Auftritte in der ganzen Welt mit den berühmtesten Tangostars. 1990 ludt ihn Osvaldo Pugliese, der zweite Großmeister des Tango, schließlich nach Buenos Aires ein und seine Frau organisierte für ihn und das Sextett eine Tournee durch ganz Argentinien. Damit war Carel Kraayenhof in der Tangoszene zum Weltstar avanciert.
Bald darauf wurde er vom Konservatorium in Rotterdam eingeladen, ein Department für argentinischen Tango zu gründen – bis heute der einzige Ort weltweit, wo der Tango auf Konservatoriumslevel gelehrt wird. Während des nächsten Jahrzehnts teilte Kraayenhof seine Zeit zwischen weltweiten Engagements und Meisterkursen für Bandonéon und Klavier auf. Und dann kam die Prinzenhochzeit.
Seitdem haben seine CDS Tango Royal (2003), Street Tango (2005) und Guardians of the Clouds (2006), für die Kraayenhof die Musik Ennio Morricones adaptierte, auch hierzulande Furore gemacht und dafür gesorgt, dass immer mehr Menschen sich aktiv für Tango begeistern. Auf seinem neuen Album Tango Heroes spielt Carel Kraayenhof zum ersten Mal hauptsächlich eigene Kompositionen: Stücke, die einzig das Ziel verfolgen, den Zuhörer in den Zauber des Tango zu entführen, in ein Café in Buenos Aires am Ende einer Sommernacht, wenn die Bandonéons und Violinen die magischsten Stimmungen heraufbeschwören. Der Titel der CD ist eine Hommage an seine Mentoren Astor Piazolla und Osvaldo Pugliese.
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