Jonas Kaufmann - Verlosung
Die Opernwelt von heute neigt dazu, Sänger Komponisten zuzuordnen – Mozart-Sopran, Rossini-Mezzo, Verdi-Bariton. Auch Tenöre werden regelmäßig in eine derartige Zwangsjacke gesteckt; doch Jonas Kaufmann widersteht dem, indem er seine beachtliche Vielseitigkeit kompromißlos beibehält.
Allein während der Spielzeit 2006-07 triumphierte er als Verdis Herzog von Mantua und Don Carlos (Zürich), Wagners Walther von Stolzing (Edinburgh International Festival), Mozarts Tamino (Metropolitan Opera New York), Berlioz' Faust (Rom) und Bizets Don José (Royal Opera House Covent Garden). Ein Meister des Stils, ein Sänger, der über erstaunlich vielfältige Klangnuancen verfügt, ein Darsteller von spektakulärer Einfallskraft – hier ist ein Tenor, dessen Kunst und musikalische Neugier keine Grenzen kennen.
Kaufmann ist stolz darauf, dass er Anerkenung gefunden hat, wenn er bestimmte Opern im Land ihrer Entstehung gesungen hat, sei es in Frankreich, Italien oder seinem Geburtsland Deutschland. Sein vielseitiges Repertoire erneuert seine Energie ständig. "Es war einmal völlig normal, dass jemand an einem Abend Mozart, und am nächsten Wagner gesungen hat," bemerkt er, "und niemand meinte: 'Wie kann er das tun?' Jetzt ist das bedauerlicherweise äußerst unüblich. Ich bewege mich gern von einem Stil zum anderen – ich langweile mich nie! Ich brauche immer eine Herausforderung, in stimmlicher wie in interpretatorischer Hinsicht."
Ein abwechslungsreiches Repertoire bereichert Kaufmanns stimmliche Flexibilität und befähigt ihn, sowohl Mozarts Così fan tutte als auch Wagners Parsifal oder Puccinis Tosca bestens gerecht zu werden. Doch er begegnet immer noch regelmäßig Vorurteilen hinsichtlich der Rollen, die er singen sollte. Als er z. B. erstmals den Florestan in Beethovens Oper Fidelio sang, "wollte mich", so erinnert er sich, "jedes Theater für diese Rolle und für alle deutschen Partien, darunter die von Wagner. Die Leute sagen: 'Nachdem er nun damit angefangen hat, wird er in wenigen Jahren nur noch diese Partien singen.'" Das würde Kaufmann natürlich nicht im geringsten interessieren. "Es ist wie Autofahren", so erklärt er: "Man kann nicht nur mit Hochgeschwindigkeit auf der Autobahn fahren, und man kann nicht nur langsam durch die Stadt fahren – es muß noch etwas dazwischen geben."
Diese Debüt-CD gibt eine breite, wenn auch nicht vollständige Vorstellung von Kaufmanns stimmlicher und stilistischer Vielseitigkeit (Mozart, ein wesentlicher Bestandteil seiner Laufbahn, wurde einem späteren Zeitpunkt vorbehalten). Zum Titel meint er: "Ich liebe alle diese romantischen Sachen! Auch wenn es kitschig klingt: ich bin ein romantischer Mensch. Ich spiele gerne romantische Rollen und singe gerne romantische Musik."
Die Ausschnitte wurden aus Opern gewählt, in denen Kaufmann entweder bereits aufgetreten ist oder die er für die nächste Zukunft plant. Martha ist eine Ausnahme: diese Oper wird heute nur noch selten aufgeführt, bleibt aber wegen der beliebten Tenorarie "Ach, so fromm" im Gedächtnis (in Italienisch als "M'appari" bekannt).
Ob Kaufmann das Legato in Flotows Melodie gestaltet, zum zarten hohen B der "Blumenarie" in Bizets Carmen aufsteigt oder sich von der hochstrebenden Steigerung zum sanften Schluß in Rodolfos Arie "Che gelida manina" aus Puccinis La Bohème bewegt – seine Stimme nimmt jede Hürde mit Sicherheit. Opernliebhaber träumen von solch einem Stimmklang – glühend im männlichen, dunklen Timbre, aber mit einem erfrischenden Klang in der Höhe. Kaufmanns Gesangstechnik ist erstaunlich, wobei er so im Drama aufgeht, dass er damit die Hörer zu Tränen rühren kann. Kaufmann gestaltet in jeder Arie eine dreidimensionale Figur und vermittelt Lebendigkeit selbst in der vertrautesten Musik.
Dieses Recital erinnert an so denkwürdige Charakterdarstellungen wie Kaufmanns Don José, die, wie der Kritikerveteran Michael Kennedy in der Zeitschrift Opera schrieb, 2006 am Covent Garden "einen neuen Standard für die Rolle setzte". Angesichts seiner Überzeugungskraft bei Verdi und Puccini überrascht es nicht, dass Kaufmann fließend Italienisch spricht und oft Schwierigkeiten hat, wenn er neue Bekannte davon überzeugen muß, dass er tatsächlich Deutscher ist (die Leute sagen: 'Ihre Eltern haben wohl eine Pizzeria geführt!"). Hinsichtlich des Repertoires in seiner Muttersprache ist Kaufmanns Stimme wie maßgeschneidert für Max, den Helden in Webers Freischütz. Die meisten Freischütz-Tenöre übernehmen schließlich auch den Walther von Stolzing in Wagners Meistersingern, den Kaufmann einige Jahre lang in Aufführungen noch nicht vorweggenommen hat. 2006 sang er die Partie jedoch im Konzert auf das Drängen von Brian McMaster hin, damals Leiter des Edinburgh Festivals. Der Kritiker Neil Fisher feierte in der Times Kaufmanns Darbietung als "eine Offenbarung ... seine glühende Spontaneität war der Höhepunkt des Abends".
Kaufmann wuchs in München auf und hatte Gesang nie als seine künftige Berufung vorgesehen. Er schätzte Aufnahmen großer deutscher Tenöre wie Rudolf Schock, Peter Anders und des "fantastischen" Fritz Wunderlich, dessen breitgespanntes Repertoire einen Präzedenzfall für sein eigenes bot; er war auch beeindruckt, als er am berühmten Münchener Opernhaus, der Bayerischen Staatsoper, Pavarotti, Carreras und besonders Domnigo hörte. Doch nach dem Gymnasium studierte Kaufmann anfangs Mathematik, bis er schließlich so vom Singen angezogen war, dass er an die Musikhochschule seiner Heimatstadt ging. Seine Stimme besaß damals "einen sehr leichten, typisch deutschen Klang. Mein Lehrer erwartete, dass sie so klang. Die Stimme, die ich nun einsetze, ist die, die ich in der Dusche oder im Fahrstuhl gebrauchte!"
Nach kleinen Rollen an beiden Münchener Opernhäusern verbrachte Kaufmann zwei Jahre als Ensemblemitglied in Saarbrücken. Er bekam immer mehr das Gefühl, dass seine angelernte Stimme nicht sein wirklicher Stimmklang war; doch glücklicherweise brachte ihn ein neuer Lehrer auf den richtigen Weg. Nun stimmlich selbstsicher, verließ Kaufmann Saarbrücken ohne Angebote, war aber bald in Stuttgart erfolgreich, was Einladungen weiterer deutscher Bühnen nach sich zog. Das restliche Europa wurde aufmerksam – Mailand (Scala), Zürich, Brüssel, Salzburg. Amerika konnte ihn erstmals 2001 als Cassio in Verdis Otello an der Lyric Opera Chicago hören. Fünf Jahre später kam er an die Metropolitan Opera als Alfredo in Verdis Oper La traviata.
Die Begeisterung der Presse für Kaufmann konzentriert sich häufig auf sein Theatergespür, das er einfach als grundlegende Forderung seines Berufes ansieht ("Niemand kann nur so dastehen und singen"). Auch sein gutes Aussehen hat beträchtliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen; sicherlich akzeptiert er, wie wichtig die Erscheinung eines Sängers in diesem visuellen Zeitalter ist. Andererseits meint er: "Ich hasse es, hinsichtlich des Sexappeals eingeschätzt zu werden. Solange dies als Beigabe zur Gesangsdarbietung hinzukommt, ist das für mich in Ordnung; aber wenn die Leute nur darüber reden und niemand bemerkt, dass man gut singt, ist etwas falsch!" Kaufmann ist sich der Flüchtigkeit des Singens völlig bewußt: "Man gibt eine Vorstellung, und dann ist sie vorbei – und läßt sich nur selten bewahren. So verwirklicht sich mit der Möglichkeit, genau das mit dieser CD zu tun, ein Traum. Die Leute mögen Recitals anderer Tenöre besitzen, doch wir sind alle Individuen, und jeder Künstler sieht die Dinge aus einer anderen Perspektive. Was ich auf dieser CD mache, tue ich nicht, weil es unbedingt etwas Neues sein soll, sondern weil es meine besondere Art der Interpretation und des Singens dieser Musik ist."
Live Termine
16.02.2008, Berlin, Staatsoper (La bohème)
19.02.2008, Berlin, Staatsoper (La bohème)
24.02.2008, München, Herkulessaal
28.02.2008, Hamburg, Laeiszhalle
01.03.2008, Berlin Staatsoper (La bohème)
22.07.2008, München, Prinzregententheater, Liederabend Münchner Opernfestspiele
Zur Verlosung >> (ab 24.01. - 22.02.2008)
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