Radiopilot
Gestaltungskraft. Inszenierungsgabe. Abgrenzungswille. Perfektionsdrang. Gute Songs. Keine Frage: Jede junge Band ist bestrebt, bei ihrer ersten Platte nach Möglichkeit keinen Fehler zu machen. Doch mit welcher Präzision die fünf Berliner Musiker, die seit 2006 unter dem Bandnahmen Radiopilot unterwegs sind, die Umsetzung ihrer musikalischen, stilistischen, visuellen und kommunikativen Idealvorstellungen betreiben, setzt Maßstäbe.
Radiopilot sind anders. Lukas Pizon, Rafael Triebel, Florian Büttner, Benjamin Steinke und Christoph Hengelhaupt haben nicht nur den Willen, etwas mit ihrer Musik zu bewegen, sie verfügen auch über die dazu notwendigen Skills. Und sie haben überhaupt keinen Nerv, sich bei ihrer selbsterwählten Aufgabe von Szene-Richtlinien die Arbeitsweise diktieren zu lassen. Unabhängigkeit ist ihnen wichtig.
Und gerade deshalb unterschrieben die Fünf im August 2007 bei Columbia Deutschland, einem Label des Majors SONY BMG. Für Radiopilot kein Widerspruch. „Der Independent-Gedanke war ja ursprünglich mal, dass man machen kann, was man möchte“, erklärt Gitarrist und Songschreiber Rafael Triebel, „doch wenn man sich hier in Berlin die Szene anschaut, dann sind die Indie-Bands wesentlich verkrampfter als der Mainstream.“ Die Tendenz, im Zweifelsfall musikalischer Unzugänglichkeit den Vorzug vor ohrschmeichelnder Catchiness zu gewähren, bedeutet für den 22-jährigen eine wesentliche Einschränkung des ursprünglichen Indie-Freiheitsgedankens. „Wenn man hier in der Stadt zu anderen Bands sagt, man will mehr als tausend Platten verkaufen, wird man ausgelacht“, bestätigt Sänger Lukas. In den vergangenen Jahren konnte der 27-jährige beide Seiten kennenlernen. Als Mitglied diverser Indiebands in der Hauptstadt konnte er Erfahrungen sammeln, die der Band auf ihrem Weg zur ersten Veröffentlichung nützlich waren.
Neben den Studioarbeiten zum Debütalbum, für die mit Olaf Opal (The Notwist, Naked Lunch, Sportfreunde Stiller, Juli etc.) der absolute Wunschkandidat als Produzent gewonnen werden konnte, absolvieren Radiopilot im November eine umfangreiche Tour im Vorprogramm von Juli. Im Rahmen der IFA-Eröffnung hatten Lukas, Rafael, Florian, Benjamin und Christoph bereits Label-Kollegin und US-Superstar P!nk supportet. Anforderungen, die anderen Neu-Signings durchaus den Angstschweiß auf die Stirn treiben können, die fünf Radiopilot-Mitglieder jedoch vor kein größeres Problem stellen: In den Jahren vor dem Zustandekommen ihres Plattenvertrages hatte sich die Band immerhin mit maximalem Erfolg den Weg durch die namhaftesten Newcomer-Wettbewerbe (u.a. Emergenza, John Lennon Talent Award) gekämpft – und dabei zahllose Konkurrenten hinter sich gelassen.
Das beeindruckte auch die A&Rs der großen Plattenlabels, die sich nach dem Sieg beim „John Lennon Talent Award“ um die Unterschrift der Berliner bemühten. Dabei waren es nicht nur die Live- und Songwriting-Qualitäten, mit denen Radiopilot punkten konnte. Auch ein Statement von Lukas Pizon sorgte für reichlich Gesprächsstoff. „Wir schreiben Songs, weil wir verwirrt, wütend, enttäuscht, verlassen sind. Weil das Leben ungeahnte Wege einschlägt, die man nicht vorhersehen kann. Würden wir keine Songs schreiben, wären wir bestimmt wie die Anderen auf der Straße gelandet und würden heute noch Leute vermöbeln, weil wir wütend, enttäuscht und verlassen sind. Jeder braucht ein Ventil. Das ist das unsere.“ hatte der Sänger, Gitarrist und Songschreiber ins offizielle Bandinfo formuliert und damit bei dem einen oder anderen Beobachter für Kopfschütteln gesorgt. Die krawallige Aussage hatte so herzlich wenig mit den durchdacht arrangierten, brit-affinen Popsongs der fünf Hauptstädter gemein. „Es liegt uns am Herzen, zu polarisieren“, erläutert Lukas. „Man muss keine ein-zwo-drei-vier-Haudrauf-Mucke machen, um innere Notstände musikalisch umzusetzen. Wir sind eine Popband, diese Bezeichnung ist uns wichtig. Die Leute sollen ruhig ratlos zurückbleiben.“
Dass das Brechen von Klischees und Erwartungen für Radiopilot kein lapidarer Zeitvertreib ist, sondern Grundlage des bandeigenen Selbstverständnis’, zeigt sich in jedem Detail, das Radiopilot offenbaren. Es wird in der Art und Weise deutlich, wie sie sich auf der Bühne präsentieren, im Gespräch oder auch im Internet (www.radiopilot.de), wo die Band u.a. eines der skurrilsten Studiotagebücher der Musikgeschichte pflegte. Radiopilot machen neugierig. Verführen mit verlockend eingängigen Hooklines und Textpassagen, reißen bereits beim Erstkontakt die Aufmerksamkeit des Hörers an sich, der noch nicht ahnen kann, worauf er sich da eigentlich einlässt.
Am 28.03.08 erscheint nun ihre Debüt-Single "Fahrrad" gefolgt vom Album "Leben passiert" im Mai.
Radiopilot-Tour: 03.05. Weißenfels - Schlosscafé; 10.05. Seefestival - Senftenberg; 11.05. Dresden, Frauenkirche; 12.05. Hamburg - Hafengeburtstag; 18.05. Dortmund - FZW; 21.05. München - Backstage; 07.06. Berlin - Weiße Rose; 08.06. Wormlage - Benefizfestival; 13.09. Michendorf - Wolkenburg Gymnasium
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