Yvonne Catterfeld - Aura
Vor ein paar Monaten gab es eine Szene im Tonstudio in Hannover, als Mousse T und Jan van der Toorn einander ansahen und der eine zum andern sagte: “Donnerwetter.” Dann nickte der andere und sagte: “Ja.” Yvonne stand hinter der Glaswand im Studio und bekam davon nichts mit.
Vor ein paar Monaten gab es eine Szene im Tonstudio in Hannover, als Mousse T und Jan van der Toorn einander ansahen und der eine zum andern sagte: “Donnerwetter.” Dann nickte der andere und sagte: “Ja.” Yvonne stand hinter der Glaswand im Studio und bekam davon nichts mit. Sie sang weiter. Schraubte ihre Stimme hoch, drehte sie, synkopierte, einen Halbton höher und höher, dann tiefer, dann die dritte Stimme noch mal, und dann sang sie alles erneut von vorn, improvisierte eine neue Melodie, die Aufnahme lief, und am Ende hüpften Mousse T (der ein grünes T-Shirt trug) und Jan (in rot) vor Freude am Mischpult auf und ab, und die beiden sahen aus wie glückliche Ampelmännchen.
Es ist längst nicht mehr “nur” Yvonnes Ausnahmestimme, die bei diesem Album die Jungs zum Hüpfen brachte, die Produzenten sprachlos machte und Songwriter zum Staunen. Dieses Mal schrieb Yvonne, was sie sang. Und sie komponierte, was klang.
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“Aura” ist das vierte Album von Yvonne Catterfeld, aber eigentlich ist es ein Debütalbum. Es ist ihr Debüt als Künstlerin, als Komponistin, als Textdichterin, als Geschichtenerzählerin, als Mensch, als absolut vollständige Person Yvonne Catterfeld, aber weil man es nicht Debüt nennen kann, sonst kämen die Leute ja durcheinander, hat es einen anderen Namen, einen der die Sache nicht weniger auf den Punkt bringt. Es heißt “Aura” – die lateinische Abkürzung des Wortes “Morgenröte, welches die seelischen Zustände eines Menschen beschreibt, eben das alles, was ihn unsichtbar umgibt: Die verschiedenen Schichten seiner Individualität, denn jeder Mensch hat eine andere Aura, die hell strahlt, ist sie gesund. “Sie ist alles, was Du gerade empfindest, wer Du bist, wer Du warst. Es geht nicht nur um Wut, Zorn, Zweifel, es geht auch um andere Gefühle wie Liebe, Zuversicht, um Vertrauen, vor allem um Vertrauen ohne Beweise”, sagt Yvonne.
Alles begann damit, dass sich Yvonne ein halbes Jahr Zeit nahm ausschließlich an diesem Album zu arbeiten. Sie schrieb mit den besten Textdichtern und Komponisten Deutschlands, während die Plattenfirma weltweit nach den besten Songs und Kollaborateuren suchte. Sie verbrachte viel und intensive Zeit mit anderen Künstlern, probierte sich selber aus, überschritt eigene Grenzen, zweifelte, machte weiter, wuchs über sich hinaus. Es entstanden Freundschaften, die auf gegenseitigem Respekt und der Liebe zur Musik aufbauten. “In mir gab es Aufs und Abs, doch je öfter ich mit einem “fertigen” Lied Abends nach Hause kam, umso vollständiger fühlte ich mich,” erzählt sie heute. Und wer denkt, die Zusammenarbeit mit so vielen verschiedenen Leuten führe zur Verwirrung, der täuscht sich. Im Gegenteil. Wie auch eine Aura aus verschiedenen Schichten besteht, so holt dieses Album die Vielschichtigkeit einer Person nach oben, bringt sie zum Strahlen. Egal, in welchem Stil und in welcher Form, Yvonnes Persönlichkeit bleibt der so genannte “Rote Faden”. Das Zentrum aller Kraft, aller Schichten.
Wie das klingt? Mehr als ein paar Lieder werden vom Prinzip Hoffnung getragen, mehr als ein paar Lieder sind mithin die schönsten Balladen, die in diesem Jahr auf einem Popalbum veröffentlicht werden. Aber Pop ist es ja eigentlich gar nicht, es vereinen sich auf diesem Album Blues, Gospel, Soul, Jazz, groovige Balladen im 6/8 Takt, HipHop Grooves, kurz: ”es ist alles drin, worauf ich total stehe,” sagt Yvonne. Die Melodien sind mal Angie Stone- haft wie etwa bei “Die Zeit ist reif”, oder modern synkopisch wie bei “Ich will nur Dich”. Es gibt HipHop Beats, die sich basslastig unter eingängige, clever gesetzte Klangelemente legen wie ein Teppich, es gibt Streicher, die Lieder zum Fliegen kriegen, es gibt Dance Rhythmen, die antreiben und alles swingend unterfüttern, manches ist im Stil der neuen Beyonce, manches im Stil der alten Loud Records Produzenten, dann wieder unerhört, dann etwas Timbaland-haft, dann klingt es als wären India Arie und Amy Winehouse zwei wahnsinnig nette Patentanten, doch und viel, viel öfter klingt es wie die noch nicht zu Ende gedachte nächste, verdammt gute Idee eines noch nicht geborenen R&B Impressarios.
Texte entstanden im Überall. Auf einer Couch im Studio. In einem Haus am See. Im Auto auf der Autobahn. Yvonne fand endlich die Musikerin in sich selber wieder, und eins steht von nun an fest: “Ich gebe nichts mehr aus der Hand”, lächelt sie. Schon gar nicht ihre Aura. Denn dies ist die Botschaft des ganzen Albums: “Selbst entscheiden, auf den Bauch hören, voran schreiten, Mut haben, um den Schritt in die Zukunft zu gehen, ohne sich umzudrehn.” In allen Schichten, mit einem gelassenen Gruß nach vorn.
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