Johnny Liebling: Nur nicht nach Haus
Mit “Nur nicht nach Haus” haben Johnny Liebling nach “Goldene Zeiten” ein zweites Album gemacht, das überhaupt nicht wie ein zweites Album klingt. Normalerweise wird mit dem ja Bestandssicherung betrieben, hier indes wird konsequent zugemutet. “Wir wollten eine rauere Scheibe”, sagt Kris Kiel und prostet mit einer Knolle Astra Urtyp in die Runde, “mehr so hingerotzt, nicht so ausgefeilt und kopfert. Wir haben viele Spielereien weggelassen, all die Samples und Turntables. Die ganze Band stand einfach die ganze Zeit zusammen im Studio.”
Mit “Nur nicht nach Haus” haben Johnny Liebling nach “Goldene Zeiten” ein zweites Album gemacht, das überhaupt nicht wie ein zweites Album klingt. Normalerweise wird mit dem ja Bestandssicherung betrieben, hier indes wird konsequent zugemutet. “Wir wollten eine rauere Scheibe”, sagt Kris Kiel und prostet mit einer Knolle Astra Urtyp in die Runde, “mehr so hingerotzt, nicht so ausgefeilt und kopfert. Wir haben viele Spielereien weggelassen, all die Samples und Turntables. Die ganze Band stand einfach die ganze Zeit zusammen im Studio.”
Dunkel und bedrohlich sind manche der Songs geworden, mit viel zu viel Humor, um endzeitlich zu werden. Und trotzdem: Die Partylaune zwischen Lounge und Ball Pompös, die von den Goldenen Zeiten bunt an die Wand gemalt worden war, ist einer muskulösen Tour durch leicht bizarre Rock-Landschaften gewichen. Wie schön, dass es noch Musiker gibt, die sich was trauen.
“Wir hätten natürlich auch mit 'Bastard, Bankert' starten können” sagt Ralph, “damit dann alle sagen, oh, Johnny Liebling, wie beim letzten Mal, toll! Aber das hätte keinen Sinn gemacht. Bieder anzufangen, um die Leute dann langsam 'ranzuführen an das Böse. Dann doch lieber gleich das Böse und die Leute schön erschrecken.”
Einen Masterplan aber, sagt Kris Kiel in wie eigentlich immer gemessenen Worten, habe es nicht gegeben, “wir wollten uns lediglich nicht wiederholen. Schließlich will der Herr Beulshausen in jedem Interview den Satz prägen können 'dieses Album ist härter als sein Vorgänger'.” Beulshausen nickt lächelnd und trinkt. Er weiß, dass “Nur nicht nach Haus“ als rasanter Spielplatz für Erwachsene diesem Anspruch gerecht wird. Kiel redet weiter. “Wir wollten auf dem Album das hören, was uns auch live ausmacht. Es gab ja durchaus ein paar süße Radio-Nummern, aber die haben wir konsequent rausgeschmissen, sie passten einfach nicht zu all den Mörderballaden und anderen skurrilen Geschichten.” Was der Hörer vor schleppendem Schlagzeug, schwülen Melodien und irgendwie ausgebremsten Gitarren gar nicht vermutet: Dieses Album lebt vom Tempo, in dem es realisiert werden konnte. Zwar haben Kiel & Beulshausen sich ein Jahr Zeit gelassen, um die Songs zu schreiben und vorzuproduzieren, “aber aufgenommen”, so Kiel, “wurde das Ganze nach dem Ideal alter Jazz-Platten. Die haben manchmal nur zwei Tage gebraucht, bei uns waren es sieben…" “…so wie Gott die Welt erschuf”, wirft Beulshausen ein, “sag das den Leuten!”. Und am siebten Tag haben Johnny Liebling geruht? “Nee”, lacht Ralph, “da haben wir nachgeholt, was wir am sechsten Tag irgendwie verpasst haben.”
Zwischen den trunkenen Songs gibt es zweimal Spoken Words von Kiel und Beulshausen, kleine Gemeinheiten über kleine Leute und kleine Dinge, die der Hörer unwillkürlich lauter stellt, weil man kein Wort verpassen will. Ob solche Intermezzi, ob das Drehen einer Locke auf der Glatze des Propheten und der ganze Kurswechsel überhaupt wohl Hörer verprellen könnte? Immerhin arbeitet das Duo musikalisch gewagt und textlich auf einem Niveau, welches mancher im Pop und Rock bereits ausgestorben glaubte. “Ich befürchte das nicht”, meint Kiel, “die Leute, die man schon hat, die sagen 'oh Schatz, du hast ja 'ne neue Frisur'. Dann sind sie einen Tag lang aufgeregt, gehen aber am Ende doch wieder mit einem ins Bett.” Andere, die man noch nicht hatte, würden vielleicht gerade jetzt neugierig, “und falls wir doch Friseurinnen als Fans hatten, gibt's die halt jetzt nicht mehr.” Dabei ist es kinderleicht, Johnny Liebling zu mögen. Die Liebe zu Johnny Liebling zu erklären allerdings, das ist vielleicht ein bisschen schwieriger. Wie schön, dass man in die Verlegenheit recht selten kommt. Und wenn doch, dann genügt eigentlich ein schnöder Satz: Ich habe nichts gegen den Massengeschmack, aber ich ruiniere mir lieber meinen Ruf dafür, ihm nicht zu entsprechen.
Band-Webseite:
Kneipen-Überraschungs-Tour:
27.04.2007 Stuttgart, 28.04.2007 München, 03.05.2007 Hamburg.
Band-Tourdaten:
10.05.2007 Bremen Römer
11.05.2007 Hannover Indiego Glocksee
12.05.2007 Dresden Tante Ju
13.05.2007 Berlin Tacheles
15.05.2007 Frankfurt Das Bett
24.05.2007 Hamburg Knust
25.05.2007 Kiel Trauma
27.05.2007 Dortmund FZW
16.06.2007 Hamburg Altonale, NDR Bühne
23.06.2007 Kiel Kieler Woche, NDR Bühne
03.08.2007 Hamburg CSD
08.09.2007 Magdeburg Sackfabrik
11.09.2007 Karlsruhe Café NUN
12.09.2007 Erlangen E-Werk
13.09.2007 Aschaffenburg Colos-Saal
14.09.2007 Stuttgart Romoeo's Kiste
Veröffentlichung von "Nur nicht nach Haus": 4.5.07
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