MARIANNENPLATZ - Keine Zeichen
Der Mariannenplatz in Berlin-Kreuzberg gehört wohl zu einem der interessantesten Orte, der kulturell und auch gesellschaftspolitisch, von sich Reden machte. Die Namensgeberin, Marianne, Prinzessin der Niederlande und Gattin des Fürsten Albrecht von Preußen, verstieß gleich mehrmals mit den eigenen Moralvorstellungen rücksichtslos gegen die guten Sitten der Zeit und wurde dafür vom preußischen Hof verstoßen.
Der Mariannenplatz in Berlin-Kreuzberg gehört wohl zu einem der interessantesten Orte, der kulturell und auch gesellschaftspolitisch, von sich Reden machte. Die Namensgeberin, Marianne, Prinzessin der Niederlande und Gattin des Fürsten Albrecht von Preußen, verstieß gleich mehrmals mit den eigenen Moralvorstellungen rücksichtslos gegen die guten Sitten der Zeit und wurde dafür vom preußischen Hof verstoßen. Im gleichen Jahrhundert quartierte sich Theodor Fontane am Mariannenplatz ein, wo noch heute eine Gedenktafel das Haus ziert, welches als einziges von seinen 18 Berliner-Wohnungen übrig geblieben ist.
Aber auch die Neuzeit am Mariannenplatz war alles andere als ruhig. So wurde er beispielsweise der zweitwichtigste Austragungsort des alljährlichen Kreuzberger Volksaufstandes und beherbergt noch heute eines der ersten besetzten Häuser in Berlin. Die legendären Ton Steine Scherben machten dieses Haus mit Ihrem „Rauch-Haus-Song“ berühmt und gehörten ebenfalls zu deren Besetzern. 1978 hat der Berliner Senat das Haus anerkannt und machte daraus ein Jugendzentrum, wo es möglich war zu wohnen, zu arbeiten, Musik zu machen und zu malen. Da war sie, die kulturelle Szene, die sich immer mehr am Mariannenplatz etablierte. Das Künstlerhaus Bethanien bietet Platz für Malerei und zeitgenössische Kunst, die Hauptgeschäftsstelle des „Musikbunker“ (Musikschulen in Berlin) hat dort ein Zuhause gefunden und auch Festivals wie das Internationale Friedenskonzert, gaben dem Platz einen multikulturellen Touch.
Nun wird der Mariannenplatz wieder zu einem zentral musikalischen Thema, allerdings nicht weil er „Austragungsort“ ist, sondern weil er „Bandname“ wird. Pete (Vocals/Gitarre), Chris (Drums), Oskar Gitarre), Dietrich (Keyboards) und Tommek (Bass) aus, natürlich klar, Berlin-Kreuzberg - proben den Aufstand.
Denn schließlich ist sie da, die Renaissance – deutsche Musik ist wieder in aller Munde. Bands aus der Provinz, angeführt von jungen Damen lassen die Nation aufhorchen. Provinz? Damen? Da bedarf es mal eines Konters. Denn wo bleibt die Hauptstadt? Wo bleiben die Männer? Wo bleiben die Männer aus der Hauptstadt? Sie sind da, in Form von MARIANNENPLATZ, dessen Musik frisch, immer mit Groove, der Melodie zum Mitsingen und der richtigen Portion Tiefe in den Texten, klingt. Daß die Band, die sich einen solchen Namen zulegt, irgendwas an Berlin finden muss, ist klar. Pete, der Sänger der Band, bringt es auf den Punkt: „Ich finde Berlin gut, weil es nicht fertig ist, weil es unperfekt ist und bleiben wird und weil es eine unkontrollierbare Stadt ist.“
Diese Stadt hat es den Jungs wirklich angetan, obwohl es nicht für alle auch die Geburtsstadt ist. Nur Oskar und Tomek lebten seit Anfang an in Westberlin, Chris dagegen kam aus Freiburg in die Hauptstadt, Dietrich nahm den Weg von Regensburg über Südafrika nach Berlin und Pete’s Weg führte von Ostberlin über Dublin, London und Portsmouth zum Kreuzberger Kiez.
Es war auch die Stadt, die die Inspiration für die erste Demo-Single „Nicht Wichtig“ lieferte, die es prompt bei Radio Fritz und Radio Eins auf die Tagesrotation schaffte. Dieser Erfolg brachte letztendlich den Ausschlag, die Albumproduktion in Angriff zu nehmen. Nun ist es geschafft, das Album „Keine Zeichen“ kommt mal laut, mal leise und mit durchweg deutschen Texten daher. Nur deutsche Texte, wo doch Pete, der Songwriter der Band, früher seine Texte nur in Englisch verfasste?
Dafür gibt er zwei, sehr einleuchtende Erklärungen: „Das Ziel meiner ersten Band war Lautstärke, Provokation, Aufruf zum Widerstand. Die Resultate waren: Auftrittsverbote und „Einladungen“ zu „Diskussionsrunden“ mit der Staatssicherheit der ehemaligen DDR. Um nicht noch mehr fragwürdiges Interesse für mich zu wecken, begann ich meine Songtexte in Englisch zu schreiben“. Daß diese Entscheidung sicher „nervenschonender“ war, steht außer Frage. Aber warum heute nun deutsche Texte? „Es nervte mich dann immer öfter, dass meine Freunde und Bekannten die von mir geschriebenen Texte nur ansatzweise oder gar nicht verstanden. Daher fing ich an, Texte in deutscher Sprache zu schreiben, was sich bis heute gehalten hat“.
Daß man die Jungs von MARIANNENPLATZ „versteht“, zeigen auf jeden Fall die Reaktionen der Radiohörer und auch die der kleinen Fangemeinde, die sich bereits um die Band versammelt hat. Nach der Zeit im Studio, fühlen sich die Fünf momentan auf der Bühne am wohlsten. Egal ob groß oder klein, ob Osten oder Westen, sie wollen einfach nur spielen. Genau das werden sie auch in den kommenden Wochen und Monaten tun, auf diversen großen und kleinen Open Airs, in vielen Hallen, Clubs und in den Kneipen der Republik.
Mit ihrer Single „Nicht Wichtig“ (bereits auf Playlist bei der Radiostation Deines Vertrauens) haben sie die Richtung vorgegeben, mit dem Debutalbum „Keine Zeichen“ wird der Weg weiter gefestigt. Zwischen Selig, Neubauten und Wir Sind Helden, aber immer mit eigener Note fühlen sich MARIANNENPLATZ zu Hause. Man merkt, dass es eine Berliner Band ist, aber es wird nie zu kiezig, sich die Band anzuhören und Texte wie „Das Glück“ sind reine Poesie in der Masse der Deutschen Einweglyrik.
Auch wenn Pete so schön singt „Wir sind doch Nicht Wichtig“ – als Band sind sie das schon lange nicht mehr!
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