Rainhard Fendrich – So ein Theater
So ein Theater... Rainhard Fendrich hatte in diesem Jahr nicht nur Gründe um sich zu freuen. Negativ-Schlagzeilen gab's ebenfalls genug.
So ein Theater... Rainhard Fendrich hatte in diesem Jahr nicht nur Gründe um sich zu freuen. Negativ-Schlagzeilen gab's ebenfalls genug. Da war viel Blödsinn dabei, den die Presse geschrieben hat, aber der Austro-Liedermacher und –Romancier mag sich auch nicht hinter sich selbst verstecken. Lieber eckt er mal an und spielt mit den Widersprüchen, die sich aus seinem Leben als öffentliche Person und seiner Persönlichkeit als (Auch-)Privat-Mensch ergeben. Letztlich kommt er doch immer wieder auf sein Innerstes und möglicherweise auch Wichtigstes zurück: die Musik. Und die steht jetzt zum Herbst 2006 nach seinem fulminanten Erfolg mit dem letzten Studioalbum „hier + jetzt“ (Nr. 1 der Albumcharts in Österreich) wieder ganz vorne an, mit der Zusammenstellung „So ein Theater“.
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In Deutschland identifiziert man Rainhard Fendrich am ehesten mit dem „Macho Macho“. Mit dem brachte er den Leuten 1988 das Samba Tanzen näher und erfreute Anhänger konventioneller Schlager- und Popmusik und Freunde bissiger Satire und Wortakrobatik gleichermaßen. In Österreich ist seine Hymne allerdings eine andere: „I Am From Austria“, ein generationenübergreifendes Bekenntnis zur Alpenrepublik, die seit Jahren als inoffizielle Bundeshymne Österreichs gilt und von einer Fachjury zum besten bzw. populärsten Lied Österreichs gewählt wurde. Den Text des Liedes kennt fast jeder Österreicher auswendig. Und bei jedem Konzert steigt die Rührung auf, wenn Fendrich solche Töne anschlägt. Die Fans lieben seine nachdenklich-kritischen und trotzdem lebensbejahenden Balladen und Liebeslieder. Aus diesem Grund erscheint nun „So ein Theater“. Man sollte sich vom Titel nicht täuschen lassen: „So ein Theater“ ist keine Sammlung von reißerisch-brachialen Abhandlungen, sondern lenkt den Fokus auf die stillen Töne des Rainhard Fendrich. Weil’s auch auf die stille Tour eine Menge zu sagen gibt.
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Augen Schließen, Zurücklehnen, Licht Dimmen, Kerzen Anzünden und Lauschen ist darum ausdrücklich erlaubt bei dieser wohl innigsten Fendrich-Zusammenstellung der letzten Jahre, die sich in diesen Herbst 2006 schleicht und ganz in Ruhe – und vielleicht sogar ein bisschen melancholisch – das Ende des Jahres einläutet. Intime Liebeslieder mit gesteigertem Gänsehaut-Faktor („Schlaf mit dein’ Herzschlag ein“) wechseln sich ab mit Geschichten aus jedem Leben („Der Drachen“) und Philosophien über das eigene Geschlecht („Männersache“) – oder eben das andere („Manchmal denk i no an di“). Gesellschaftskritik hat allerdings auch auf dieser Zusammenstellung ihre zentrale Bedeutung, zum Beispiel in Fendrichs Gedanken über „Tote Dichter“ oder das (Über-)Leben als „Kinder des Krieges“.
Nein, einfach ist es nicht, dieses Leben. Das fängt an beim Verhältnis zum „Papa“, der einem auch die Angst vor der „Geisterbahn“ nicht nehmen kann – eine große Angst für den kleinen Jungen. Nur bleiben diese Relationen eben nicht so. Später hat der große Junge dann Angst vorm Verlassenwerden („Herz“) und vorm Alleinsein („Die Rosen“). Aber der große Junge kennt auch die Freuden des Lebens („Wart bis hamlich wird und stü“), findet zu sich selbst („I Am From Austria“) und mit viel Glück auch zu dem einen Menschen, den er braucht, auf den er steht und den er liebt („Weus’d a Herz hast wia a Bergwerk“) – und der ihm womöglich die Ängste auch nehmen oder zumindest mildern kann. Rainhard Fendrich hat diesen Menschen gefunden. Seine Lebensgefährtin heißt Ina Nadine Wagler. Mit ihr hat er schon fürs letzte Album ein Duett eingesungen, das sich jetzt in einer noch viel atmosphärischeren, emotionaleren und berührenderen Version auf „So ein Theater“ wieder findet: „Nimm mir einfach nur die Angst“. Die Ballade, die zugleich auch Fendrichs neue Single ist, vereint das unverrückbare Statement gegen den Krieg mit der Intimität der Verliebten, die nur gemeinsam gegen die übergeordneten Mächte stehen können. Damit ist "Nimm mir einfach nur die Angst" Liebeslied und gesellschaftskritisches Signal gleichermaßen. Und außerdem ein ungemein berührendes Stück Musik.
Ob sich der Kreis damit schließt? Mag sein. Vielleicht wird er es aber auch nie. Vielleicht ist es gut so, dass es da Widersprüche gibt zwischen dem „Macho Macho“ und dem ängstlichen großen Jungen, der seine Angst besiegen will, zwischen dem gesellschaftskritisch-musikalischen Botschafter und dem Romancier, dessen Balladen (bes. „Weus’d a Herz hast wia a Bergwerk“) schon auf zahllosen Hochzeiten erklungen sind und die bei den Konzerten Wunderkerzen brennen lassen. Die Ambitionen von Rainhard Fendrich sind nun mal vielfältig. Mit „So ein Theater“ stellt er darum zwar seine Balladen vor, aber die sind so vielschichtig wie wohl von keinem anderen deutschsprachigen Musiker. Warum er nun gerade die hier vorliegenden ausgewählt hat, werden seine Fans auf der folgenden Tournee erleben können, die dem Konzept des Albums folgt und sicher wieder zu einem Triumphzug wird, wenn es heißt: „So ein Theater“ - live mit Rainhard Fendrich.
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