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Stichwörter: Pearl JamEddie Vedder
Wednesday, 26. April 2006

Pearl Jam - Pearl Jam

Fast vier Jahre nach dem bluesigen Album „Riot Act“ erscheint jetzt ein rockigerer Longplayer jener Band, die nach dem Selbstmord des Nirvana-Sängers Kurt Cobain im April 1994 zur erfolgreichsten Grunge-Band der Welt aufstieg. Das schlicht „Pearl Jam“ betitelte Album erscheint bei J Records, der Erfolgsfirma von Musikbusiness-Legende Clive Davis.


Der 75-jährige Bruce Springsteen-Entdecker Clive Davis freut sich darüber, die Grunge-Veteranen für sich gewonnen zu haben: „Es ist wirklich eine ganz besondere Gelegenheit, wenn man mit einer Band zusammenarbeiten darf, die ein solches musikhistorisches Gewicht hat wie Pearl Jam.“ Mit dem letzten regulären Studioalbum „Riot Act“, der B-Seiten-Sammlung „Lost Dogs“ (2003) und einem ersten Pearl-Jam-Best-Of-Album namens „Rearviewmirror (1991-2003)“ erfüllten sich die Vertragskonditionen mit dem alten Labelpartner Epic/Sony Music. Das Quintett machte von einer Ausstiegsklausel Gebrauch, sondierte Optionen und wählte schließlich J Records zum neuen Geschäftspartner. Aus künstlerischer Sicht blieben sich Pearl Jam, die weltweit knapp 60 Millionen Alben verkaufen konnten und damit eine der kommerziell erfolgreichsten Bands der letzten 15 Jahre sind, weitestgehend treu. Mit Produzent Adam Kasper setzten Eddie Vedder (Gesang, Gitarre), Jeff Ament (Bass), Stone Gossard (Gitarre), Mike McCready (Gitarre), Matt Cameron (Schlagzeug) und Teilzeitkeyboarder Boom Gaspar auf einen ihnen gut bekannten und tadellosen Studiofuchs. Besonders die gebündelten Kräfte alter Stärken wissen im Endergebnis zu gefallen: Aggressivität und Kompromisslosigkeit treffen auf Unverkrampftheit. Diese war der Band und im Besonderen Eddie Vedder verloren gegangen und blieb lange vom Hass auf die eigene Popularität abgelöst.

Das erste nachhaltige Lebenszeichen von „Pearl Jam“ hört auf den leicht nihilistischen, aber eben auch bandtypischen Namen „World Wide Suicide“. Die Singleauskoppelung des nunmehr achten regulären Studioalbums zeigt dessen Richtung auf konkrete Weise auf. Ziemlich schnörkel- und zügellos gehen die Männer aus Seattle weit zurück auf Start und erinnern an die eigenen Ur-Tugenden: Pearl Jam sind wieder explosiv. Eddie Vedders eindringliche Stimmlagen und mitunter depressiven Weltschmerz versprühende Texte krönen jenen aggressiven Gitarrenrock, der die Band einst weltberühmt gemacht hat. Zwar sind Pearl Jam anno 2006 nicht mehr so enigmatisch wie noch in den frischen Nullerjahren, aber dafür haben sie zu unbändiger Spielfreude, die in der Regel klassisches Hardrock-Songwriting auszeichnet, zurückgefunden. Am deutlichsten lässt sich deshalb eine Analogie zum 1993er Album „Vs.“ feststellen. Weniger hymnenhaft als dessen (Debüt-)Vorgänger „Ten“, sondern dank seiner herben Schönheit ist „Pearl Jam“ vor allem als ein ungeschminktes Statement mit handfesten Argumenten in Form von griffigen Rocksongs zu verstehen. „Comatose“ oder „Life Wasted“ rocken ohne großartiges Geplänkel auf den Punkt. Daneben stehen einige ruhigere aber keinesfalls langweiligen Songs (darunter „Parachutes“). Deutsche Fans können Pearl Jam im Rahmen der anstehenden Europatournee am 23. September 2006 in der Berliner Freiluftbühne Wuhlheide erleben.


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